Mit 1244 m erhebt sich der Keilberg als höchster Punkt des Erzgebirges bereits auf tschechischem Gebiet, wo er den Namen Klínovec trägt, während er in früheren Jahrhunderten in Böhmen auch als Bartum oder Barton, d.h. Bartholomäusberg, oder auch Sonnenwirbel bezeichnet wurde.
Bereits Johannes Mathesius erwähnt im 16. Jahrhundert den Keilberg in seinen Schriften. Die Chroniken berichten von Todesopfern, da sich lösende Lawinen am Fuße des Keilbergs mehrere Menschen töteten und große Schneisen in den Wald rissen und Häuser zerstörten.
Im Jahre 1817 wurde auf dem Gipfel des Keilberg, dessen Grund und Boden der Stadt St. Joachimsthal gehörte, eine Aussichtspyramide aufgestellt, die jedoch 1868 abbrannte. Dieses erste Aussichtsgerüst wurde oft auch von Kurgästen aus Karlsbad besucht, die sich meist mit Pferdekutschen auf den Berg fahren ließen. 1883 begann der Erzgebirgsverein St. Joachimsthal auf dem Keilberg mit dem Bau eines steinernen Aussichtsturmes, der im August des darauffolgenden Jahres als „Kaiser-Franz-Josephs-Turm“ eingeweiht wurde. Er kostete 7000 Gulden und krönt noch heute den Keilberg, allerdings ist er zur Zeit nicht begehbar. Früher musste man 75 Stufen überwinden, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen. Die Zahl der Besucher wuchs ständig, so registrierte man beispielsweise 1885 6000 Personen, von denen allein 4623 die Spitze des Turmes erklommen. Vielen Untengebliebenen, so berichtet ein Zeitgenosse, gestattete ihr Körperumfang nicht, eine schmale Treppe zu besteigen.
Um den heftigen Luftzug auf der Plattform des Turmes zu beseitigen, wurde 1888 dieselbe mit einem Glasdach versehen. 10 Kreuzer kostete damals der Eintritt in den 24 m hohen Turm, in dem sich ursprünglich auch eine bescheidene Möglichkeit zur Übernachtung befand. Durch den verstärkt einsetzenden Tourismus entschloss man sich zum Bau eines Anbaus am Fuß des Aussichtsturm, den man am 18. August 1893 eingeweihte. Dieses Unterkunftshaus wurde anfangs nur vom 1. Mai bis 30. September bewirtschaftet und bot neben dem Gaststättenbetrieb mit guter warmer und kalter böhmischer Küche maximal 10 Personen ein aus Matratzen und Decken bestehendes Nachtquartier. Gleichzeitig mit dem Unterkunftshaus wurde auch ein Stallgebäude errichtet, das 8 Pferde aufnehmen konnte.
Am 1. Juni 1897 wurde eine eigene Postdienststelle auf dem Keilberg eingerichtet, von der im ersten Sommer bereits 7000 Sendungen nach Gottesgab befördert wurden. Ein weiteres Gebäude gesellte sich im Jahre 1907 zu den bereits bestehenden Bauwerken. Es handelte sich um eine zusätzliche Halle, in der die Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsausstellung mit industriellen und kunstgewerblichen Produkten des böhmischen Erzgebirges stattfand. Diese wurde in eine ständige Ausstellung von Erzeugnissen des böhmischen Erzgebirges umgestaltet.
Das Berggasthaus auf dem Keilberg wurde noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges aufgestockt und erweitert. Gleichzeitig wurde das frühere Stallgebäude zu einem zweiten Unterkunftshaus umgebaut und der Aussichtsturm erhielt eine hölzerne Umhüllung, die heute wieder entfernt ist. 1913 umfassten beide Unterkunftshäuser 40 Fremdenzimmer mit 80 Plätzen. Dazu gab es neben Stallungen für 35 Pferden bereits Autogaragen.
Mit der Gründung der Tschechoslowakei, zu dessen Staatsgebiet der Keilberg nunmehr gehörte, setzte die Zweisprachigkeit auch auf dem Berggipfel ein. Für den Berg wurde ein tschechischer Name gewählt, der zunächst kurz Klin lautete. Erst in der 2. Hälfte der 1920er Jahre setzte sich dann die Bezeichnung Klínovec durch.
Ferner fand eine Wetterwarte auf dem Gipfel ihren Platz. Die Zahl der Touristen auf dem Keilberg stieg fast ständig, zumal eine Fahrstraße direkt bis auf den Gipfel führte und ein Omnibus zwischen Karlsbad und dem Keilberg pendelte. Ende der 20er Jahre wurde deshalb auch das zweite Unterkunftshaus nochmals baulich erweitert, so daß den Gästen nunmehr 50 Zimmer mit 100 Betten zur Verfügung standen. Im Berggasthaus, das unter bewährter Leitung der Familie Wohlrab stand, gab es drei Gastsäle: den Dotzauersaal, die Sobitschkahalle und den Müllersaal. Letzterer benannt nach Bezirksschuldirektor Anton Müller, dem langjährigen Obmann des Erzgebirgsvereins von St. Joachimsthal, der wegen seiner Verdienste ehrenvoll Hausherr des Keilberges genannt wurde. Für Wintersportler waren Hörnerschlitten- und Rodelbahnen u.a. nach St. Joachimsthal angelegt worden und in Richtung Oberwiesenthal befand sich seit 1922 die Keilbergsprungschanze, auf der mehrere Jahre der Schanzenrekord bei 50 m lag.Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges standen im Keilberghotel 112 Betten zur Verfügung. Durch die Nachkriegsereignisse brach der Besucherstrom aus Deutschland auf dem offiziell nur noch Klínovec genannten Berg fast völlig ab. Erst nach der Abschaffung der Visa-Pflicht für Bürger der DDR 1972 wurde der Berg auch von deutscher Seite wieder verstärkt besucht. Mit den politischen Veränderungen seit 1989 ist auch der Keilberg wieder ein Stück in die Mitte Europas gerückt. Der Berg trägt zwar nicht den ältesten Aussichtsturm des Erzgebirges, dafür ist jedoch sein Berghotel das älteste und höchstgelegene im gesamten Gebirge. Es wird zur Zeit grundlegend renoviert und wird bald wieder zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwarten.
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